Ziele verwirklichen

Innere Einbahnstraßen umgehen

Ich wohne in Münster – und viele Einbahnstraßen sind für Radfahrer in beide Richtungen frei. Dort, wo es nicht erlaubt ist, kann es teuer werden: Die Polizei ist mit Strafen schnell bei der Hand. Das ließ mich darüber nachdenken, was uns Einbahnstraßen wohl zu unserem persönlichen Fortkommen sagen.

Wie traut man sich, ausgetretene Pfade der Gewohnheit zu verlassen? Es einfach wagen? Gucken, ob keiner guckt – und dann schnell durchflitzen? Was manchem unbedachtem Radfahrer Spaß zu machen scheint, ist im persönlichen Verhalten nicht ganz so einfach umsetzbar. Warum?

Wir erkennen unsere Einbahnstraßen oft nicht

Da sind diese eingeübten Muster, auf bestimmte Sprüche oder Anforderungen zu reagieren, die laufen seit Jahren immer gleich. Der eine macht innerlich dicht bei zu viel Provokation oder Nähe, der andere schiebt Aufgaben gern eine Weile vor sich her, bis gar nichts mehr geht und man mit dem Motto „Augen zu und durch“ die Sache irgendwie abschließt.

Genau das sind unsere „Einbahnstraßen im Leben“, die ewig gleichen Muster, die vielleicht irgendwann einmal hilfreich waren, aber längst nicht immer die perfekte Wahl darstellen.

Ohne Ihnen jetzt etwas von unserer kindlichen Entwicklung und gelernten Strategien zu erzählen, leuchtet es ein, dass ein Teil in uns den bequemen Weg bevorzugt. Da gibt es eine Verhaltens-Vorschrift und die wird befolgt. Und das ist so gewohnt, dass wir es nicht einmal mehr hinterfragen. Oder es fällt erst auf, wenn andere ganz anders reagieren. Uups, so geht das auch? Denn tatsächlich gibt es etliche Wege, die sich lohnen würden neu auszuprobieren.

Wieso nicht einmal emotional offen bleiben oder seinen Unmut ansprechen statt sich innerlich zurückzuziehen? Oder frühzeitig mit kleinen Schritten an einer Aufgabe arbeiten, so dass sie elegant und souverän vor dem Abgabetermin fertig ist?

Ein Umschwenken gegen innere Einbahnstraßen ist gar nicht so leicht

Ein Fahrrad in eine neue Richtung zu lenken fällt leicht und ist vielfach geübt. Bei persönlichen Veränderungen stehen uns jedoch ziemliche Trägheitskräfte im Weg. Schade, aber kein Grund gleich aufzugeben. Gewohntes ist vertraut, und das gibt uns Sicherheit, selbst wenn der Stress vor jeder Deadline sich gar nicht gut anfühlt: Meist ist es ja noch irgendwie gut gegangen.

Ein neues Verhalten hingegen mag sich anfühlen wie Fahrradfahren auf Glatteis, völlig unberechenbar. Die Gefühle spielen womöglich verrückt, wir fühlen uns hochgradig unsicher, im Idealfall waghalsig als unternähmen wir einen Kinderstreich. Und der innere Reigen an Gedanken fährt zu einem dramatischen Crescendo an: „Oh je, wo soll das enden?“ Nicht immer ist es ganz so wild, bloß gut! Ich will Sie nur vorbereiten auf das, was kommen kann.

Seien Sie gewappnet, dass sich das Ändern von eingeschliffenen Mustern zunächst ungemütlich bis ziemlich gefährlich anfühlen könnte. Kein Grund zu verzweifeln, meist beruhigt sich unser Gemüt schnell wieder und dann haben wir statt einer Einbahnstraße neue Wege erschlossen. Trauen Sie sich!

Der beste Tipp zum Durchhalten ist die Unsicherheit als Zeichen von Wachstum zu werten, den vermeintlichen Sorgen oder gar Katastrophen-Fantasien wenig Gehör zu schenken, sondern sie einfach wahrzunehmen, vielleicht mit einem innerlichen Dank:

»Danke liebe innerer Polizei, dass dir auffällt, dass ich gegen meine gewohnte Einbahnstraße unterwegs bin. Ich probiere jetzt eine neue Richtung aus. Mal sehen, welche ich auf Dauer wähle.«

Je weniger Widerstand Sie den inneren Zweifeln entgegen bringen, umso besser. Bleiben Sie einfach auf Ihrem neuen Kurs und beurteilen Sie später, welche Wege Ihnen wann am besten zusagen.

WegImpulse to Go | Coaching-Fragen zu Ihren Einbahnstraßen


Erleichtern Sie sich Ihr Ausscheren aus gewohnten Abläufen, indem Sie sich eine ganz konkrete Situation herauspicken:

In welcher Situationen reagiere ich immer nach dem gleichen Muster?

  • Wo, mit wem und wann erlebe ich mich in einer „Einbahnstraße“?
  • Wie ist mein übliches Verhaltensmuster?
  • Erlebe ich dies noch als hilfreich oder stimmig?

 Was könnten alternative Reaktionen für die spezielle Situation sein?

  • Was würde mein größtes Vorbild jetzt wohl tun? Oder meine beste Freundin?
  • Was möchte ich gern einmal ausprobieren? Wann genau? Wie lange?
  • Welche ideale Reaktion erhoffe ich mir davon für mich selbst oder bei meinem Gegenüber? Was tue ich, wenn sie ausbleibt? Und was, wenn sie eintritt?

Dies ist mein allererster Blogartikel mit Erstveröffentlichung am 8. August 2012. Beim Aufräumen im Blog bin ich darauf gestoßen – und teile ihn gern erneut. Mir gefällt dieser Artikel noch immer ausgesprochen gut. Und Ihnen?

Zum Beitrag von letzter Woche unter dem Titel „Schneckig unterwegs“ bietet er eine feine Ergänzung: Um zu erläutern, warum wir mitunter hinter unserer idealen Vorstellung von uns selbst zurückbleiben – und wie wir ausscheren können aus gewohntem Trott, wenn gewünscht!

Folg mir:

Silke Nuthmann

Ich bin als systemischer Coach und Texterin unterwegs in Sachen Potenzialentwicklung. Mein Business in Kurzfassung: Impulse bieten, wie du stressfrei und gelöst deine Ziele verwirklichst. Dabei schlägt mein Herz für Introvertierte, damit deine Ideen immer genug Gehör bzw. Kunden finden.
Folg mir:

Letzte Artikel von Silke Nuthmann (Alle anzeigen)

, , , ,

Über Silke Nuthmann

Ich bin als systemischer Coach und Texterin unterwegs in Sachen Potenzialentwicklung. Mein Business in Kurzfassung: Impulse bieten, wie du stressfrei und gelöst deine Ziele verwirklichst. Dabei schlägt mein Herz für Introvertierte, damit deine Ideen immer genug Gehör bzw. Kunden finden.
Veröffentlicht am | Hinterlasse einen Kommentar

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.