Anpacken statt aufschieben

Anpacken statt aufschieben

Manche Vorhaben fühlen sich zunächst gar nicht gut an: Für ein neues Projekt zu akquirieren oder die Klärung von technischen Details beispielsweise. Manchmal schon ein Anruf, der mich einschüchtert. Da neige ich gern einmal zum Aufschieben. Was nimmt dir den Wind aus den Segeln?

Der Aufschieberitis Action entgegensetzen

Unser inneres Gefühl scheint das Aufschieben zu bestätigen, denn in so einer miesen Verfassung kann ein wichtiges Gespräch bestimmt nicht glücken! Häufig eine Illusion, denn schlechte Gefühle verflüchtigen sich nicht, wenn wir sie meiden. Eher lohnt es, irgendwann die Kurve zu kriegen, daher verrate ich hier meine drei persönliche Anpackstrategien.

1 | Intuitive Entscheidungshilfe

Wenn ich merke, dass ich unnötig lange aufschiebe oder mich im Abwägen von Alternativen schwer tue, bewährt sich für mich ein intuitiver Rat, indem ich meine Körperweisheit befrage.

  • Dazu schreibe ich alle Alternativen einzeln auf Zettel, etwa „anrufen“ oder „es bleiben lassen“ [oder „jetzt“ oder „später“] und ergänze zuletzt einen Zettel mit einem Fragezeichen [?].
  • Alle Zettel werden danach gemischt und umgekehrt auf dem Boden verteilt. Wichtig: Die Schrift dabei nach unten legen, so dass du nicht mehr weißt, wo welcher Zettel liegt. Ich ordne die Zettel meist in einen Kreis an, aber das ist nicht entscheidend.
  • Dann stelle ich mich der Reihe nach auf alle Positionen und erspüre, wie es mir dort ergeht.

Bei mir geht das mittlerweile sehr schnell – unser Körper reagiert intuitiv auf die Optionen. Das kann sehr subtil sein oder deutliche Änderungen in Haltung, Atmung, Spannung, Wärme oder Kälte-Gefühlen beinhalten. Probiere deine persönlichen Erkennungsmerkmale am besten gleich selbst aus und lass dich durch die Antwort deines Körpers überraschen … Suche bzw. bitte um Zeichen für Zustimmung oder Ablehnung.

  • Inneres NEIN: Ich sinke quasi in den Knien/Schultern zusammen, atme flach und bedrückt
  • Inneres JA: Ich kann an diesem Platz aufatmen und fühle mich körperlich aufgerichtet

Daran halte ich mich – und habe schon oft erlebt, dass meine Körperweisheit zu etwas JA sagt, wozu ich zuvor gar keine Lust hatte: Akquise-Anrufe beispielsweise oder eine Netzwerkveranstaltung.

Beim Fragezeichen wird es übrigens spannend, denn wenn der Körper hierzu JA sagt, dann fehlt die richtige Alternative noch unter den Zetteln bzw. im echtem Leben. Eine Antwort, mit der sich weitersuchen lässt…

2 | Deadline setzen

Gute Erfahrungen mache ich mit dem Trick, mir „künstliche“ Termine zu setzen – und diese notfalls Freunden oder Kollegen gegenüber zu kommunizieren. Diese Art Selbstverpflichtung empfehlen Psychologen als äußert hilfreich. Vermutlich wollen wir gegenüber anderen nicht dumm dastehen und werden dann lieber aktiv als weiter Ausreden zu bemühen.

  • Lange Zeit hatte ich den Dienstag zum festen Blog-Tag erkoren und veröffentlichte Woche für Woche sehr routiniert meine Artikel. Spätestens Montagabend textete ich neu und staunte über all das Wissen, das ich in mir versammelt habe.
  • Das gleiche Prinzip funktioniert, wenn ich lästige Telefonate vor mir herschiebe und lieber im Posteingang hängenbleibe (typisch introvertiert übrigens). Dann setze ich mir einen „last start“ für die Telefonate und greife spätestens zum vereinbarten Zeitpunkt zum Hörer. Vorher darf ich „erlaubt“ bummeln.

3 | Fortschritte visualisieren

Ich bin ein haptischer Mensch und führe manche Listen immer noch am liebsten mit der Hand. Um die erste Anfangsschwierigkeiten zu überwinden, helfen mir Strichlisten oder auch Skalen, um mein Fortkommen zu dokumentieren.

  • Das kenne ich aus meiner Studienzeit in der Outbound-Telefonie im Callcenter: Selbst wenn ich an einem Vormittag nicht einen Entscheider an den Apparat bekommen hatte, zeigte mir meine Liste stolz die Anzahl all meiner Anwahlversuche, Kontakte und festen Wiedervorlagen.

Damit signalisieren mir diese Listen, dass ich auf dem richtigen Weg bin – und mich mit etwas Fleiß und Durchhaltevermögen dem erwünschten Ergebnis nähern kann.

Umsetzungskünstler in spe

Jede Reise, und sei sie noch so lang, beginnt mit dem ersten (holprigen) Schritten. Wir müssen nicht ungeübt Höchstleistungen von uns erwarten, solange wir aufbrechen, notfalls jeden Tag neu.

Silke Nuthmann

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2 Kommentare

Liebe Frau Nuthmann,

dass Sie schon genug wissen, zeigt – unter anderem – dieser Beitrag mit super Tipps und schönen Beispielen für Situationen, in denen man sie einsetzen kann. Danke schön!

Hallo Frau Birkner,
es macht Freude, aus dem Vollen zu schöpfen – und der Fülle in mir keinen Riegel vorzuschieben, ob durch innere Bedenken oder dem zu-wichtig-Nehmen von äußeren warnenden Kommentaren. Seit ich mich traue, so lange Artikel zu schreiben [mit denen ich mich angeblich verschenke und zu viel „Pulver“ schon vor dem Auftrag verschieße], merke ich erst, wie viel ich zu bieten haben und entwickle neuen Ideen, wofür ich mein Wissen zukünftig nutzen kann. Ich freu mich schon sehr auf Ihr nächstes Video!

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