Beißt du dich an deinem Problem fest?

Beißt du dich an deinem Problem fest?

Ja, Probleme haben wir alle – hin und wieder. Und haben will sie eigentlich keiner. Das tatsächliche Problem mit deinen Problemen ist allerdings, dass du sie schlimmer machst als nötig. Mist aber auch…

Von dieser Erkenntnis bin ich leider nicht befreit. Selbst kluge Berater stecken von Zeit zu Zeit fest. Deshalb kommen hier meinen besten Tipps, um möglichst rasch in gutes Fahrwasser zurück zu finden.

Probleme entfalten eine Sogwirkung – leider keine gute!

Schneller als gedacht ist passiert, was nicht sein sollte. Ein Kunde sagt kurzfristig seinen Auftrag ab, dein Partner zieht sich schmollend zurück oder deine wohlformulierte Mail löst einen Wust von Missverständnissen aus.

Egal, ob wir uns mit Kunden oder Kollegen beschäftigen oder privat auf Freunde, Familie oder unsere Partner treffen, Probleme lauern fast überall.

  • Weil hinter guter Absicht verfälschte Botschaften entziffert werden.
  • Weil dein Gegenüber vielleicht einfach zu müde ist, um einfühlsam oder wohlwollend zu reagieren.
  • Weil innere Grabenkämpfe dich blockieren, wenn du nicht weißt, was du willst oder welche Entscheidung die Beste für deine Zukunft ist.

Genug der Beispiele – Probleme muss ich dir wohl kaum erklären, du hast sicher genügend eigene!

Warum kosten uns Probleme so viel Kraft? Hier kommt die Beißstarre ins Spiel! Denn unsere kluger Kopf neigt dazu, sich an Problemen abzuarbeiten, noch und nöcher. Selbst wenn das Problem gar nicht sachlich zu lösen ist, versucht der Verstand wieder und wieder alle Details zu erfassen, um ja keinen Winkelzug des anderen zu versäumen.

Selbst bei inneren Konflikten wie Unentschlossenheit geht unser Kopf die Sachlage ein ums andere Mal durch – leider mit miesen Ergebnissen: schlechten oder gar keinen.

Wir ermüden im steten Strom der Gedanken und finden aus dem Karussell nur schwer heraus. Diese zwei Pseudolösungen helfen nicht weiter

1 | Wir tun mehr desselben

Zunächst greifen wir am liebsten auf bekannte Lösungen zurück. Ist ja eine feine Sache, wenn wir uns auf Bewährtes verlassen können. Leider merkt unser Verstand in vielen Fällen nicht, dass die alte Methode womöglich Teil des Problems ist.

Nehmen wir an, beim Befestigen von Bildern haben dir Nägel und Hammer gute Dienste geleistet bisher. Nun bringst du alle neuen Bilder mit der gleichen Methode an – und übersiehst, dass dein neuer Kristallspiegel vielleicht besser mit Bohrmaschine und Dübel in der Wand stabilisiert werden sollte.

Mehr desselben bedeutet, dass wir eher bereit sind, unsere Facebook-Aktivitäten auszubauen statt unser gesamtes Marketing-Konzept in Frage zu stellen. Oder streiten immer heftiger und lauter statt zur Abwechslung einmal einzulenken, den anderen verstehen zu wollen oder andere Wege der Konfliktlösung zu suchen, notfalls mit experner Hilfe.

2 | Wir suchen die Lösung auf der falschen Ebene

Das begegnet uns, wenn wir emotionale Geschichten rein sachlich analysieren oder umgekehrt. So steckt hinter vielen Auseinandersetzungen um Absprachen oder Zuständigkeiten häufig ein Gefühl der mangelnden Wertschätzung. Gesehen oder respektiert zu werden lässt sich jedoch kaum durch ausgefeilte Putz- oder Dienstpläne lösen.

Umgekehrt kann es der Fall sein, dass ihr über Respekt, Liebe oder Freundschaft (= hohe Werte) diskutiert, dabei vermisst du (nur) eine handfeste Unterstützung, sei es bei der Steuererklärung oder dem nächsten Einkauf.

Vier Schritte zur Lösung!

Hier verrate ich dir meine vier wichtigsten Strategien. Füll jede mit der für dich passenden Aktivität – und du wirst eine Grundlage für Lösungen finden, die weit über das Problem hinausweist.

A | Abstand gewinnen

Damit der stete Strom an Gedanken verebbt, hilft es mir am besten, mich anderweitig zu beschäftigen. Denn wer im Strudel seines Problems unterzugehen droht, ist nicht frei für die Lösung, die womöglich ganz in der Nähe liegt!

  • Meistens gehe ich raus und laufe ganz viel in der Gegend herum. Egal bei welchem Wetter und fast egal zu welcher Uhrzeit.
  • Auch Putzen, so profan es klingt, hilft mir, denn dann habe ich etwas Konkretes zu tun, während meine Gedanken sich fast nebenbei klären.
  • Sport oder ein geselliger Abend können ebenfalls hilfreich sein, solange ich dabei wirklich abschalten kann.

Ablenkung und Bewegung helfen, wenn das reine Denken keine Ergebnisse mehr produziert. Achtung! Wenn du allerdings routinemäßig vor der Glotze versinkst oder täglich ins Fitnessstudio rennst, dann überdenke besser deine Strategie – und mach etwas anderes!

Abstand zu gewinnen zielt immer darauf, dich aus dem gewohnten Trott deines Denkens heraus zu holen, damit sich neue kreativere Lösungen überhaupt zeigen können.

B | Perspektiven erweitern

Im Problemmodus wird unsere Sicht ganz eng. Wir sehen uns und vielleicht noch die wichtigsten Parameter drum herum. Gute Entscheidungen fußen hingegen auf einer ausgewogenen Perspektive, die eine Wahl einschließt.

Dafür kannst du beispielsweise ein paar Leute fragen, was sie an deiner Stelle tun würden. Wundere dich nicht, wenn da Möglichkeiten dabei sind, auf die du nie gekommen wärst.

Ebenfalls geeignet sind Gedankenspiele, die sich ausnahmsweise nicht um das Problem, sondern die Lösung drehen.

  • Was würdest du wohl tun, wenn du 20 Jahre älter wärst?
  • Was hätte dir deine Oma wohl in diesem Fall geraten oder gar selbst getan?
  • Was würdest du tun, wenn keine andere Person beteiligt wäre?
  • Welchen Rat würdest du deiner besten Freundin geben, wenn sie mit einem ähnlichen Problem konfrontiert wäre?

Dieses Um-die-Ecke-Denken löst dich aus der starren Sicht von Schwarz oder Weiß. Vielleicht fallen dir nun Dinge ein, die du zuvor übersehen hast. Schon hast du einen Ansatzpunkt für eine praktikable Lösung gefunden.

C | Aufs Ziel fokussieren

Die Sogwirkung des Problems kannst du am besten umschiffen, indem du dich immer wieder fragst, was du dir stattdessen wünschst. Das sollte die einfachste Übung sein … Tja, von wegen!

Was willst du nicht mehr erleben, erleiden oder akzeptieren? Das zu beantworten ist für die meisten recht einfach. Willkommen im Jammertal! Noch wesentlicher ist:

  • Was ist dein Ziel? Oder wie wäre dein Ideal?
  • Wie sähe eine gelungene Lösung für dich aus?
  • Was willst du (stattdessen) haben, tun oder sein?
  • Wie würde sich dein Alltag ändern, wenn das Problem weg wäre?
  • Wem würde das als erstes auffallen?

Überspring diese Fragen nicht leichtfertig, denn in ihnen liegt ein verborgener Schatz! Wenn du dich vom Problem löst und anfängst, die Lösungen ins Visier zu nehmen, kann dich dein Denken wieder mit Vorschlägen unterstützen. Du aber bist gefragt, deinem Denken die Richtung vorzugeben. Darauf kommt es an!

D | Erste Schritte einleiten

Bleib jetzt nicht im Träumen hängen, sondern brich deine neu gewonnenen Ideen auf konkrete Schritte herunter. Manche Dinge lassen sich leider nicht so schnell lösen. Was du tun kannst, ist immer wieder neu zu gucken, was JETZT der nächste Schritt ist – einer vor, einer zurück oder einer seitwärts?

Fang an, dein Problem als eine Einladung zum Tanz zu verstehen, dann kann du mit Geschick und Experimentierfreude mit deinen nächsten Schritten herausfinden, was besser zu dir passt als dein Problem jetzt. Dann wird dein Problem zum Türöffner in eine Welt, in die du dich vielleicht nie gewagt hättest!

Frag dich:

  • An welchem Punkt stehst du? Akzeptiere den Status Quo!
  • Okay! Und was ist dein nächster Schritt?